Autounfall: Was tun, wenn’s kracht?

  • Autounfall!

Jährlich ereignen sich in Deutschland weit mehr als vier Millionen Unfälle. Oft reicht ein kurzer Moment der Unachtsamkeit – und rumms – schon kracht’s. Jetzt ist es wichtig kühlen Kopf zu bewahren und richtig zu handeln. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt das richtige Verhalten nach einem Unfall.

Schritt 1: Unfallstelle sichern

Zunächst ist es wichtig, die Unfallstelle für andere bestmöglich sichtbar zu machen, indem Sie die Warnblinkanlage einschalten, Ihre Warnweste anziehen und das Warndreieck aufstellen: Auf Landstraßen mindestens 100 Meter vor der Unfallstelle, auf Autobahnen mindestens 200 Meter. Schalten Sie darüber hinaus auch die Fahrzeugbeleuchtung ein.

Schritt 2: Helfen

Versorgen Sie anschließend Verletzte im Rahmen Ihrer Kenntnisse und Möglichkeiten und bringen Sie diese aus dem Gefahrenbereich. Denn unterlassene Hilfeleistung kann als Straftat geahndet werden. Bei schweren Verletzungen wählen Sie die „112“ und verständigen den Notruf.

Schritt 3: Polizei

Bei Unfällen mit Verletzten und Toten oder auch bei erheblichem Sachschaden ist die Polizei zwingend erforderlich. Gleiches gilt bei Unfällen auf der Autobahn und wenn ein Unfallbeteiligter unter Alkohol oder Drogeneinfluss steht. Sollten am Unfall beteiligte Personen im Ausland wohnen oder deren Fahrzeug im Ausland zugelassen sein, sollten Sie ebenfalls die „110“ wählen. Notieren Sie bei einer Unfallaufnahme durch die Polizei unbedingt den Namen des ermittelnden Beamten und dessen Dienststelle, damit Sie gegebenenfalls Rückfragen stellen können. Bei Blechschäden kann man grundsätzlich auf die Polizei verzichten – oft rückt sie bei Bagatelldelikten gar nicht erst aus. Bei kleineren Schäden muss die Unfallstelle unverzüglich geräumt werden, um den Verkehrsfluss nicht zu behindern. Markieren Sie vorher möglichst die Fahrzeugstellung (gegebenenfalls mit Kreide) und/oder fotografieren Sie diese. Allerdings sollten Sie in keinem Fall Unfallspuren beseitigen.

Schritt 4: Beweise sammeln

Wenn die Polizei nicht verständigt wird, dann liegt die Beweisaufnahme an Ihnen. Machen Sie Übersichtsfotos von der Unfallstelle mit den beteiligten Fahrzeugen. Fotografieren Sie dazu aus verschiedenen Richtungen, wenn möglich auch aus erhöhter Position. Fertigen Sie für die Beschädigungsfotos, auch bei Tageslicht, je ein Foto mit und ohne Blitzlicht (Spiegelungen). Vergessen Sie dabei nicht die wichtigen Details wie Bremsspuren, Glassplitter, abgebrochene Teile etc.

Schritt 5: Unfall dokumentieren

Fertigen Sie einen Unfallbericht an und erfassen Sie Datum und Uhrzeit des Unfalls, sowie Name, Anschrift, Telefonnummer und Autokennzeichen des Unfallgegners. Verlangen Sie dafür neben dem Personalausweis auch den KFZ-Schein. Manchmal ist der Fahrer nämlich nicht der Halter des Fahrzeugs. Zudem sollten Sie Name und Anschrift von möglichen Zeugen notieren. Auf unserer Homepage finden Sie unseren Unfallflyer – einfach ausdrucken und ab damit ins Handschuhfach. Notfalls reicht aber auch ein Schmierzettel. Egal, worauf Sie den Bericht anfertigen – am Ende müssen ihn alle Beteiligen unterschreiben. Geben Sie jedoch unter keinen Umständen ein Schuldbekenntnis ab! Sonst droht Ärger mit Ihrer Versicherung. Das Unfallprotokoll darf sich lediglich auf den Unfallhergang beziehen.

Schritt 6: Warten statt Starten

Sind keine weiteren Personen in den Unfall verwickelt, weil Sie beispielsweise beim Ausparken angefahren sind, dürfen Sie sich auf keinen Fall vom Unfallort entfernen. Das wäre Fahrerflucht! Bleiben Sie mindestens 30 Minuten vor Ort. Wenn niemand kommt, dann hinterlassen Sie Ihre Daten am Fahrzeug des Geschädigten, fahren umgehend zur nächsten Polizeidienststelle und melden den Unfall.

Schritt 7: Versicherung informieren

Vergessen Sie nicht, den Schaden der Versicherung zu melden. Jeder Versicherungsfall ist dem Versicherer innerhalb einer Woche schriftlich anzuzeigen. Unfälle mit tödlichem Ausgang sind jedoch innerhalb von 48 Stunden zu melden.

Abschließend noch ein paar wichtige und nützliche Tipps von uns: Beauftragen Sie zur Schadenfeststellung immer einen qualifizierten und unabhängigen Kfz-Sachverständigen. Bei einem unverschuldeten Unfall trägt grundsätzlich – auch bei Bagatellschäden – der Schädiger bzw. dessen Haftpflichtversicherung die Kosten des Kfz-Sachverständigen. Außerdem sollten Sie frühzeitig einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens (Fachanwalt für Verkehrsrecht) mit der Vertretung Ihrer Interessen gegenüber der gegnerischen Versicherung beauftragen. Vermeiden Sie jeden Kontakt zur gegnerischen Versicherung bevor Sie sich rechtlichen und technischen Rat eines Anwalts bzw. Kfz- Sachverständigen eingeholt haben. Denn die gegnerische Versicherung vertritt nur ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen und nicht die des Geschädigten.

 

Beitragsbild: Freedom_Studio/Shutterstock.com

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3 comments

  1. Kerstin - Antworten

    Danke für die ausführlichen Infos – erst vor kurzem haben wir Kolleginnen uns gefragt, was im Unfall-Fall genau zu tun ist!

    • Andreas Gumminger - Antworten

      Sehr gerne!
      Hoffentlich war das Ergebnis eurer Diskussion nicht „Handy raus und für Youtube filmen“…
      Nein, Spaß beiseite! Wer sich gedanklich schon mit der Sache beschäftigt hat, wird im Fall der Fälle deutlich umsichtiger handeln.
      Ich kann euch nur empfehlen, meinen Unfallratgeber herunterzuladen, auszudrucken, durchzulesen und ins Handschuhfach zu legen. Dieser beinhaltet einen kleinen „Leitfaden“ zum richtigen Handeln am Unfallort und die wichtigsten Tipps zur Schadenregulierung. Außerdem macht er es in der Aufregung deutlich leichter, keine wichtigen Daten vergessen aufzunehmen.
      Gerne schicke ich euch auch ein paar Exemplare zu. Einfach eine kurze Mail an info@ibg-muc.de mit Anzahl und Adresse….

      Unfallfreie Fahrt wünscht
      Andreas Gumminger

      • Kerstin - Antworten

        super Service, vielen Dank! Auf das Angebot komme ich gerne zurück, Mail mit Adresse folgt!

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