Versteckte Unfallschäden an Gebrauchtwagen

  • Versteckte Unfallschäden

Davon gehört hat wahrscheinlich jeder schon mal: Vermeintlich unfallfreie Gebrauchtwägen, die bei näherem Hinsehen definitiv nicht in die Kategorie „unfallfrei“ einzuordnen sind. Als Laie sind solche Vorschäden häufig nicht zu erkennen. Umso ärgerlicher ist es, wenn wir unsere Kunden darauf hinweisen müssen. Am heutigen Beispiel wird verdeutlicht, dass „angeblich“ unfallfreie Fahrzeuge kein Stammtischmärchen sind, sondern traurige Tatsache. Sogar markengebundene Fachhändler schrecken in Deutschland nicht davor zurück, Fahrzeuge mit deutlichen Restunfall- bzw. Instandsetzungsspuren als unfallfrei zu verkaufen.

In diesem Fall wurde ein Fahrzeug vom Vertragshändler als unfallfrei verkauft und von uns überprüft.

Hier sieht man schon deutliche Abweichungen am Spaltmaß. Unterschiedliche Spaltmaße lassen auf einen Austausch von Teilen schließen und können somit ein Indiz für einen Unfallschaden sein. Wenn man mit dem Finger an den Fugen entlang fährt, kann man diesen Unterschied häufig sogar ertasten. Auch wenn die Türen nicht leicht ins Schloss fallen, kann es sein, dass diese nach einem Unfall nicht korrekt justiert wurden.

 

 

Auch der Flächenverlauf passt bei genauem Hinsehen nicht. Teile sind nach innen geneigt oder stehen über. Bei einem unfallfreien Wagen wären die Teile plan zueinander.

 

Bei diesem Beispiel muss man schon ganz genau hinsehen, doch hier sieht man an den Unregelmäßigkeiten im Lack ganz gut, dass nicht ordnungsgemäß lackiert wurde. Diese Verlaufsstörungen im Lack nennt man umgangssprachlich „Orangenhaut“ und deuten auf Lackierarbeiten nach einem Unfall hin.

 

Ebenso wie die Orangenhaut gehören auch Klarlackablösungen zu den Lackierfehlern und können ein Anzeichen von instandgesetzten Unfallschäden sein.

 

Die Liste der Lackfehler kann man in diesem Zusammenhang noch lange weiterführen. Staubeinschlüsse unterm Lack, hässliche Läuferbildung, die wahrscheinlich jeder schon einmal gesehen hat oder auch Unterschiede im Farbton. Hier im Beispiel ist die Front des Wagens deutlich heller als der Rest. Da hatte wohl jemand nicht die richtige Farbe zur Hand…

Staubeinschlüsse im Lack

 

Hässliche Läuferbildung

 

Schleifriefen deuten definitiv auf eine mangelhafte Lackiervorbereitung hin, die wahrscheinlich nach einem Unfall gemacht wurde.

 

Die Werkslackierung bei diesem Modell liegt zwischen 100 und 120 µm, mit dem Lackschichtdickenmesser kann man schnell feststellen, dass hier die Lack- bzw. Spachtelschichtdicke bis zu 2.518 µm liegt. Das ist definitiv zu hoch.

An den Radhauskanten der Kotflügel vorne sieht man links wie rechts ausgehärtete, unbearbeitet und nicht überlackierte Spachtelmassenreste.

An den Dichtungen der Scheinwerfer links und rechts zeigt das Fahrzeug Spritznebel aufgrund einer mangelhaften Abdeckung bzw. aufgrund des erforderlichen, jedoch nicht durchgeführten Ausbaus der Scheinwerfer im Zuge der Lackierungsvorbereitung.

 

Der PCD-Sensor (Park Distance Control) außen rechts wurde eindeutig mit Klarlack überlackiert. Abgesehen von der auch hier erkennbaren Läuferbildung ist eine Lackierung der Sensoren gemäß Herstellervorschrift nicht zulässig. (33)

Das Ergebnis ist traurig und erschreckend, da dem Käufer von einem vermeintlich vertrauenswürdigen Fachverkäufer ein Unfallschaden verschwiegen wurde. Der Kaufpreis des Wagens lag bei 21.200 Euro, die Wertminderung durch den Schaden liegt bei mindestens 5.000 Euro.

Fazit: Vertrauen ist gut, aber beim Gebrauchtwagenkauf ist Kontrolle definitiv besser. Ein Fahrzeug sollte sowieso nie ohne Probefahrt gekauft werden. Von daher lieber im Zuge einer Probefahrt zum Sachverständigen und das Auto durchchecken lassen, statt danach den Gerichtsweg beschreiten zu müssen.

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