Wirtschaftlicher Totalschaden

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Wirtschaftlicher Totalschaden

Der wirtschaftliche Totalschaden ist vom „echten“ (wirtschaftlichen) Totalschaden abzugrenzen.

Ein echter wirtschaftlicher Totalschaden beim Kraftfahrzeug ist ein Schaden, dessen Reparaturkosten den Wert des Fahrzeugs (unmittelbar vor Eintritt des Schadens) übersteigen. Die Reparatur lohnt sich aus finanzieller Sicht nicht mehr, denn der Eigentümer kann auf dem freien Markt ein vergleichbares und wertgleiches Fahrzeug zum Wiederbeschaffungswert günstiger anschaffen. Ein wirtschaftlicher Totalschaden hat insofern Einfluss auf die Schadenregulierung, als dass die gegnerische Versicherung lediglich den Wiederbeschaffungsaufwand (= Differenz aus Wiederbeschaffungswert und Restwert) ausgleicht. Zusammen mit dem Restwert, welchen der Geschädigte vom Aufkäufer oder Verwerter des Unfallfahrzeuges erhält, kann dann ein vergleichbares Fahrzeug zum Wiederbeschaffungswert auf dem Gebrauchtwagenmarkt erworben werden.

Beispiel:

Grundsätzliche Daten  
Schadenhöhe laut Gutachten:15.000€
Wiederbeschaffungswert:10.000€
Restwert:3.000€
Betrachtung aus Sicht der Versicherung
Schadenersatz10.000€ - 3.000€=+ 7.000€
Gesamtzahlung:7.000€
Betrachtung aus Sicht des Geschädigten
Erhalt des Schadenersatzes:10.000 € - 3.000€=
+ 7.000€
Zahlungseingang vom Restwertbieter:3.000 € + 3.000€
Gesamterhalt:10.000€

Bei einem echten wirtschaftlichen Totalschaden ist also die Erstattung der Versicherung auf den Wiederbeschaffungsaufwand begrenzt.

Der „wirtschaftliche Totalschaden“ tritt im Gegensatz zum „echten (wirtschaftlichen) Totalschaden“ schon deutlich früher ein, nämlich schon dann, wenn die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungsaufwand übersteigen. Der „wirtschaftliche Totalschaden“ tritt also dann ein, wenn für den Unfallgegner bzw. dessen Versicherung ein Ausgleich der Reparaturkosten teurer ist, als die Erstattung des Wiederbeschaffungsaufwandes.

Beispiel:

Grundsätzliche Daten  
Schadenhöhe laut Gutachten:8.000€
Wiederbeschaffungswert:10.000€
Restwert:3.000€
Betrachtung aus Sicht der Versicherung
Schadenersatz10.000€ - 3.000€=
7.000€
Gesamtzahlung:7.000€

Erwägt der Unfallgeschädigte, sein Fahrzeug nicht reparieren zu lassen, so ist auch in diesem Fall die Ersatzleistung der Versicherung für das beschädigte Fahrzeug auf 7.000 € begrenzt, obwohl das Fahrzeug einen Schaden in Höhe von 8.000 € aufweist und reparaturwürdig ist.

Überlegt sich der Geschädigte nun, sein Fahrzeug an den Restwertbieter zu veräußern sieht die Rechnung folgendermaßen aus:

Betrachtung aus Sicht des Geschädigten bei Verkauf des Unfallfahrzeugs  
Schadenersatz von Versicherung:10.000€ - 3.000€=7.000€
Zahlungseingang vom Restwertbieter:3.000€ + 3.000€
Gesamterhalt:10.000€

Selbstverständlich ist der Geschädigte nicht gezwungen, sein Fahrzeug zu veräußern, sofern es sich wie in diesem Beispiel nicht um einen echten wirtschaftlichen Totalschaden handelt. Der Geschädigte hat dann natürlich das Recht, sein Fahrzeug fachgerecht in der Werkstatt seiner Wahl instandsetzen zu lassen. Die dann tatsächlich anfallenden Reparaturkosten sind von der gegnerischen Versicherung zu erstatten.

Betrachtung aus Sicht des Geschädigten bei Reparatur des Unfallfahrzeugs  
Zahlung der Reparaturkostenrechnung an Werkstatt-7.800€
Erhalt des Schadenersatzes von Versicherung:+ 7.800€
Gesamterhalt / -zahlung:0€
(aber Auto repariert)

Die angeführten Beispiele sollen lediglich die grundsätzlichen Zusammenhänge veranschaulichen und ersetzen keinesfalls eine fundierte rechtliche Beratung, welche dringend empfohlen wird. Wichtiges wie Opfergrenze, fiktive Abrechnung, konkrete Abrechnung, Regelbesteuerung, Differenzbesteuerung, usw. blieben in den obigen Beispielen zur Vereinfachung unberücksichtigt.

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